Ein interkulturelles Erinnerungsprojekt

Foto - Tommy Shepherd, Dan Wolf, Keith Pinto
"sound in the silence"

Vom 19. bis 26. September 2011 veranstaltete die MOTTE in Kooperation mit dem Gymnasium Altona am Hohenzollernring und polnischen SchülerInnen aus Koszalin sowie der KZ-Gedenkstätte Neuengamme das interkulturelle Erinnerungsprojekt „sound in the silence".

Projekt mit KünstlerInnen aus San Francisco, New York und Hamburg
„Neue Formen der Erinnerung" ist das Thema des Workshops, bei dem sich die 14-17-jährigen Schüler unter Anleitung von Künstlern aus San Francisco, New York und Hamburg mit der deutschen und polnischen Geschichte, den Themen Heimat und Vertreibung sowie Toleranz auseinandersetzen. Der künstlerische Prozess wird gemeinsam mit den SchülerInnen in Gang gesetzt, dabei arbeiten die KünstlerInnen mit Texten und Musik und setzen die Mehrsprachigkeit als künstlerisches Mittel ein. Ausgehend von den eigenen und fremden Biografien und Familiengeschichten sowie Fragen der dritten Generation entsteht ein interkultureller Dialog, der von der Vergangenheit in die Gegenwart führt.

Das Schweigen brechen und Geschichte lebendig halten
Der Workshop fand in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt. Neuengamme – ein ehemaliges Konzentrationslager. Hier wurden Menschen durch Arbeit vernichtet. Die TeilnehmerInnen des Projekts werden mit den "dunklen und traurigen Räumen" konfrontiert. Aus verschiedenen kulturellen Hintergründen kommend, setzen sie sich mit dem Gedächtnis dieses Ortes auseinander.

Dan Wolf, Musiker und Regisseur, aus San Francisco initiierte bereits 2006 ein Projekt in der Gedenkstätte Ravensbrück. Was ihn seitdem nicht mehr loslässt, ist die Nähe des Konzentrationslagers und des Krematoriums zu einem kleinen See, der das Lager vom Ort trennte. Er sah diesen künstlich angelegten See und fragte sich, was die Verbindung der Menschen im Lager zu den Menschen in den benachbarten Orten sei. „Konnten die nicht wahrnehmen, dass ständig Menschen eintrafen - den Gestank, den Rauch und die Asche, die über dem See lagen, auf dem sie an sonnigen Sonntagen ihre Bootsfahrten machten?" „Die Wahrheit ist", so Dan Wolf, „sie wussten, was vorging auf der gegenüberliegenden Seite des Sees, aber sie entschieden sich, zu schweigen."

Das Schweigen brechen und Geschichte aufarbeiten, damit sie lebendig gehalten wird – das ist das Ziel des Workshops
Diese Motivation treibt seit 2002 auch Dan Wolf persönlich an und er bearbeitet die Geschichte seiner Familie historisch und künstlerisch – in den USA und Deutschland. Angestoßen wurde er durch Recherchen des Hamburger Künstlers und Filmemachers Jens Huckeriede zu seinem Film „Return of the Tüdelband“, der sich auf die Urheber des Hamburger Volksliedes „An de Eck steiht 'n Jung mit´n Tüdelband" bezieht. Diese waren die jüdischen Gesangsstars Gebrüder Wolf – Vorfahren Dan Wolfs. Neue Formen der Erinnerung – Performance als Prozess des „einander Verstehens" Mit Jens Huckeriede führte die MOTTE bereits mehrere Projekte durch, die im Kontext „Neue Formen der Erinnerung" stehen.
Jens Huckeriede wird das Projekt mit seiner filmischen Arbeit begleiten und die künstlerische Auseinandersetzung und Bearbeitung des Genozids dokumentieren. Der Workshop mit der Altonaer und polnischen Schülergruppe wurde ebenfalls filmisch und fotografisch festgehalten. „Wir suchen nach Wegen, wie die deutsche und polnische Geschichte in die Gegenwart vermittelt werden kann. Schließlich muss eine junge Generation ihre eigenen Wege und Zugänge zur Geschichte finden, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, die ihnen davon berichten können", so Michael Wendt, Geschäftsführer der MOTTE. „Mit der Form der Performance wollen wir den Versuch anstoßen, dass die dritte Generation der Holocaust-Überlebenden mit jüdischen und nichtjüdischen Menschen in einen Prozess des "einander Verstehens" eintreten kann. Die künstlerischen Mittel des Theaters, des Tanzes und der Musik werden eingesetzt, um so die Betroffenheit über die gemeinsame Vergangenheit auszudrücken und Wege der Verarbeitung und Toleranz zu finden."

Die Arbeitsergebnisse des Workshops wurden als Performance in öffentlichen Abschlussveranstaltungen, am 24.9 in der FABRIK und am 26.9 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, präsentiert. Folgebegegnungen sind für September 2012 in der Gedenkstätte Stutthof und in Koszalin / Polen geplant sowie eine Projektvorstellung in den USA.

Kontakt: Michael Wendt, Geschäftsführer MOTTE e.V. Mail: gf@dieMOTTE.de / Fon: 040-39 92 62-12 Jens Huckeriede, Projektleiter „sound in the silence“ Mail: jens.huckeriede@t-online.de / Fon: 040-39 69 73
Mitwirkende Künstler: Dan Wolf, Künstler, und Keith Pinto, Musiker, vom Künstlerkollektiv Felonius, San Francisco/USA Michael Hearst, Komponist und Multi-Instrumentalist, New York/USA Jens Huckeriede, Künstler und Filmemacher, Hamburg Kijoka Junica, Sängerin, Hamburg Indrani Delmaine, Choreografin, Jugendarbeit beim Hamburg Ballett/John Neumeier Projektaufbau in 3 Phasen: 1. Die Künstler recherchieren die sozialen, politischen und ökonomischen Hintergründe der Orte, die in unmittelbarer Nähe der Konzentrationslager lagen. Sie beginnen mit Kompositionen und Aufnahmen in Tonstudios. 2. In Neuengamme und Auschwitz liegen die Schwerpunkte für die künstlerische Arbeit. Workshops finden mit Jugendlichen und Anleitern/Lehrern statt. Die 14-17-jährigen Schüler treffen auf Künstler, die zwischen 25 und 61 Jahre alt sind und aus den USA und Deutschland kommen. 3. Die gemeinsam erarbeiteten Aufführungen werden der Öffentlichkeit in Deutschland, Polen sowie den USA gezeigt.

Foto Ulrich Gerlach
Foto Ulrich Gerlach
AnhangGröße
sound_in_the_silence_dokumentation.pdf6.14 MB
sound_in_the_silence_report.pdf6.15 MB
sound_in_the_silence_sprawozdanie.pdf5.85 MB
Förderer und Unterstützer:
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