Bauen in der MOTTE – nichts für schwache Nerven!


Fotos: um 1976 + 1982, MOTTE-Archiv
Die vier Gebäudeteile der MOTTE entstanden zwischen 1886 und 1916. Die ersten beiden Bauten dienten als Schokoladenfabrik – inklusive Bürotrakt und Wohnbereich für die Eigentümer. Ein Rundbau verband beide Gebäude und schuf einen Hof mit Durchfahrt für Pferdegespanne, deren Stallungen im dritten Gebäude untergebracht waren. In den 1950er-Jahren zog hier eine Tabakwarenproduktion mit Vertrieb und Verkauf ein.
Das vierte Gebäude, heute die MOTTE-Kita, wurde ursprünglich zur Benzinreinigung genutzt.

Foto: 2005, MOTTE-Archiv
Die MOTTE zieht ein
Seit 1976 nutzt die MOTTE das Gelände – inklusive Hühnerhof. Die ersten Räume wurden gemeinschaftlich ausgebaut, unterstützt von Betrieben des ersten und zweiten Arbeitsmarkts. Ende der 1970er-Jahre kamen weitere Flächen hinzu und es wurde kräftig weitergebaut, zum Beispiel:
Ausbau zum Stadtteilkulturzentrum (um 1980)
Projekt Segelboot‑90 „Fitzcarraldo“
Herrichtung des Hühnerhofs mit Stallgebäude (1986)
Sanierung des heutigen Kita‑Gebäudes (1994)
Einbau eines Restaurants: erst „Freßco“ (1996), später
„Zum kleinen Zinken“
Neue Hof‑WC‑Anlage (1998)

Entwurf: Architekt Bodo Weichert, um 2000, MOTTE-Archiv
Vision: Ein Theatersaal auf dem Dach
1999 entstand die Idee einer Gebäudeaufstockung für einen Theatersaal. Die Vision verband notwendige Sanierungsarbeiten mit einer Erweiterung und Modernisierung des Zentrums.
Da die Zuwendungsgeber eine öffentliche Ausschreibung verlangten, konnte erst 2011 mit der Planung begonnen werden. Weitere Bauabschnitte folgten 2013/14 und 2017/18.
Der größte Umbau in der Vereinsgeschichte

MOTTE-Nordansicht, planerkollektiv Architekten PartGmbH, 2023, MOTTE-Archiv
2018 wurde der bislang umfangreichste Bauabschnitt genehmigt. Das Bezirksamt Altona übernahm die Bauherrenschaft.
Die Pandemie führte zu Verzögerungen – und durch steigende Kosten zu erheblichem Finanzierungsdruck. Der Baubeginn erfolgte 2025, der Abschluss ist für Ende 2026 geplant.
Die großen Bauvorhaben wurden überwiegend durch Mittel der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert – ergänzt durch Bundesmittel, Drittmittel und umfangreiche Eigenleistungen des Vereins.
Gleichzeitig stiegen die Anforderungen über Bauvorschriften, etwa im Brandschutz, was die ohnehin knappen Personalressourcen zusätzlich belastete.
Zusammenarbeit, die möglich macht
Ein Glücksfall: Die private Eigentümerin stimmte allen baulichen Veränderungen zu. Die Nutzung des Zentrums ist bis Ende 2043/44 vertraglich gesichert.
Blick nach vorn
Bis 2027 ist der größte Sanierungsbedarf der Altbauten behoben. Mit den erweiterten Flächen kann die MOTTE neue Aufgaben für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen angehen.
Für die dritte Generation der im Verein aktiven Menschen entstehen so starke, zukunftsfähige Voraussetzungen.
Nebenbei wurden vier historische Gebäude erhalten – ein sichtbares Stück Industriekultur, die Ottensen längst verlassen hat. Ohne diesen Bezug wäre die Gründungskultur der MOTTE kaum zu verstehen.
Michael Wendt, 20.03.2026